„Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft“ – ein schöner Satz, ein Satz, der gut klingt aus dem Mund eines Politikers, der gerade Wahlkampf macht.
Aber: Welche Zukunft schafft unsere Gesellschaft für Kinder? Für die Kinder auf der ganzen Welt?
Wir wissen gut, was Kinder brauchen – Liebe, Geborgenheit, Nahrung und Kleidung, Schutz und Heimat, Bildung und Spiel, Freude und Freunde.
Vor ein paar Tagen erschien ein Bild in der SZ: Fünf Anti-Kriegsaktivisten zeigen Fotos von fünf Kindern;
sie waren in Israel, den Palästinensergebieten, im Iran und im Libanon getötet worden. Ihre Kindheit fand durch Gewalt, Angst, Schmerz und Tod ein frühes Ende. Ist das die Zukunft, von der wir so großspurig reden?
Meine Generation weiß noch sehr genau, wie der Krieg die Eltern, besonders die Väter, verändert hatte. Gewalt erzeugt wieder Gewalt, das Ziel des nackten Überlebens tötet die Menschlichkeit und mittendrin leben Kinder, an Leib und Seele verstümmelt. Niemand kann im medialen Zeitalter behaupten, dass er nicht weiß, was mit Kindern auf der ganzen Welt passiert, wenn Waffen das Spielzeug ersetzen.
2024 lebten 473 Mill. Kinder in Konfliktgebieten, 2023 starben täglich 20 Kinder bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Aber Zahlen rühren uns kaum noch, wir sind sie gewohnt. Wir lassen die Kinder im Stich.
Das Leben eines Kindes ist abhängig von den Entscheidungen der Erwachsenen – den Erwachsenen stehen die Wege offen, im Interesse der Kinder zu handeln.
Astrid Lindgren forderte in ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1995: Niemals Gewalt!
„ Ja, aber wenn wir unsere Kinder nun ohne Gewalt und ohne irgendwelche straffen Zügel erziehen, entsteht dadurch schon ein neues Menschengeschlecht, das in ewigem Frieden lebt? Etwas so Einfältiges kann sich wohl nur ein Kinderbuchautor erhoffen! Ich weiß, dass es eine Utopie ist. Und ganz gewiss gibt es auch in unserer armen, kranken Welt noch sehr viel anderes, das gleichfalls geändert werden muss, soll es Frieden geben. Aber in dieser unserer Gegenwart gibt es selbst ohne Krieg so unfassbar viel Grausamkeit, Gewalt und Unterdrückung auf Erden und das bleibt den Kindern keinesfalls verborgen. Sie sehen und hören und lesen es täglich, und schließlich glauben sie sogar, Gewalt sei ein natürlicher Zustand. Müssen wir ihnen dann nicht wenigstens daheim durch unser Beispiel zeigen, dass es eine andere Art zu leben gibt?
Niemals Gewalt! Es könnte trotz allem mit der Zeit ein winziger Beitrag sein zum Frieden in der Welt.“
Ingeborg Joos, Miesbach, im April 2025