Werte Genossinnen und Genossen,
werte Freundinnen und Freunde,
werte Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
zuallererst: Ich repräsentiere heute keine Organisation, der ich vorsitze oder dessen Mitglied ich bin.
Ich spreche für mich, und mich alleine.
Mit meinen 22 Jahren bin ich heute der jüngste Redner – der, der mit als erstes verheizt werden würde, sollte es zum nächsten Weltkrieg kommen. Im Krieg würde mir befohlen, ich solle auf Menschen schießen, die mir nichts taten und die genau wie ich von denen herumkommandiert würden, die uns in Kriege hetzen, dabei aber in Sicherheit hocken.
Wenn ich das nicht will und mich gegen das Sterben und Morden ausspreche, werde ich als Drückeberger denunziert, oder es werden irrwitzige Gedankenbeispiele konstruiert, die beweisen sollen, daß der Endkampf gegen den Nationalfeind die einzige moralisch akzeptable Position ist.
Wer kennt es nicht? Man geht mit seiner besseren Hälfte und einer MP im Park und wird von 5 Mullahs überfallen, die nur abgehalten werden können, indem man alle 5 tötet.
Selbstredend, daß dieses Szenario völlig unrealistisch ist, weil ich keine MP besitze und mich auch nicht in Parks begebe, in denen man zufällig bedroht wird. Aber selbst wenn das so wäre, würde es sich hier um direkte Selbstverteidigung handeln, was nichts mit einem Krieg zwischen Staaten zu tun hat.
Kriege zwischen Staaten sehen so aus:
Staat A kontrolliert ein Gebiet, das Staat B gerne kontrollieren würde. Staat A will die Kontrolle nicht aufgeben, also wird der Interessengegensatz mit Gewalt ausgefochten. Ich als einfacher Mensch, der in unter einem der Staaten lebt, soll jetzt nicht nachfragen, was es mir nützt, ob das Stück Land von Staat A oder B kontrolliert wird, sondern mich bedingungslos zur Verfügung stellen, um im Gefecht darum zu kämpfen und zu sterben.
So stehe ich also in einem Gegensatz zu meiner eigenen Regierung, die mich einfangen will, um für sie zu kämpfen.
Nun ist es aber so, daß in unserer globalen Wirtschaft Interessensgegensätze zwischen Staaten nicht nur an deren Grenzen entstehen, sondern quasi überall, was dazu führt, daß „unsere Freiheit“ (sprich: deutsche Interessen) auch mal am Hindukusch verteidigt werden müssen. Und natürlich ist es möglich jetzt moralische Abwägungen zu treffen, zu evaluieren, welche Staaten ihre Bürger gerade netter behandeln und welche zu autoritäreren Maßnahmen greifen.
Das ist aber keine Metrik, nach der in der Weltpolitik gemessen wird. Uns wird erklärt, warum wir aus humanitären Gründen den Iran befreien müssen, weil dort Frauen keine Rechte haben, während gleichzeitig Geschäfte mit Saudi Arabien gemacht werden.
Ich stelle also fest: Sämtliche moralische Maßstäbe sind hier völlig zwecklos, weil ein Staat keine Moral durchsetzt, sondern seine Interessen.
Da mache ich nicht mit! Und da rufe ich Euch alle auf auch nicht mitzumachen!
Schaut Euch doch die weltpolitische Lage an. Donald Trumps Amerika, de facto Oberhaupt des Militärbündnisses, dem Deutschland auch angehört, fängt monatlich neue Kriege an. Wenn Deutschland jetzt immer weiter aufrüstet und sich auf Krieg vorbereitet, ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis uns Trump in irgendeinen waghalsigen Krieg hinzieht, der das Völkerrecht mehr als nur dehnt.
Es sollte jetzt doch endlich mal offensichtlich sein, daß die Militarisierung Deutschlands nicht dazu dient, ein Russland aufzuhalten, das es seit vier Jahren nicht schafft, die Ukraine einzunehmen, sondern dazu, daß wir künftig Interventionskriege auf der ganzen Welt führen, weil Trump jetzt gerne hätte, daß wir uns daran mehr beteiligen.
Deswegen soll meine Generation jetzt darauf vorbereitet werden zu töten. Darum geht es doch bei der Wehrpflicht.
Das ist kein spannendes Abenteuer, sondern die Vorbereitung darauf, Menschen zu töten, die einem nichts getan haben und dabei so diszipliniert zu sein, daß man selbst den Tod in Kauf nimmt.
Das ist ein Wahnsinn, den wir um jeden Preis verhindern müssen!
Ich sage: Wir müssen so kriegsuntüchtig wie nur irgendwie möglich sein, damit ein Trump oder sonstwer niemals auf die Idee kommt, Deutschland um Hilfe bei einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu bitten.
Ich will auch noch was zum Vorwurf der Drückebergerei sagen.
Es ist traurig, daß so viele Leute meinen sie müssen töten und sterben, um Mut zu beweisen. Wirklich mutig ist es, sich für das Leben zu entscheiden, für die Völkerverständigung, für die Hoffnung auf eine Welt, in der niemand aufeinander schießen muß.
Das mutigste, was je in einem Krieg passiert ist, war der Weihnachtsfrieden 1914, wo „befeindete“ Soldaten sich aus ihren Gräben heraustrauten, sich begegneten und miteinander Fußball spielten. Warum war es mutig? Weil sie sich gegenseitig einen Vertrauensvorschuß geschenkt haben, daß diese festtägliche Geste nicht ausgenutzt wird, um für die eigene Seite einen militärischen Vorteil zu erhaschen.
Vor diesem Geist der Brüderlichkeit und der Solidarität hatten die Generäle so viel Angst, dass sie in den folgenden Jahre an Weihnachten Dauerfeuer der Artillerie anordneten. Wie feige!
Wenn Ihr von meiner Rede eine Sache mitnehmt, dann doch bitte die: Seid solidarisch miteinander!
Denn wenn Euch jemand, der über Euch steht, gegen jemanden aufhetzt, der neben Euch steht, dann doch nur, damit Ihr Euch nicht gegen ihn solidarisiert und ihn von seinem Thron holt.
Ich bin mir sicher wir können es gemeinsam schaffen, eine Welt aufzubauen, in der Kriege keine lohnende Aktion sind, um die eigene Macht auszudehnen.
Eine freie Welt! Eine sozialistische Welt! Worauf warten wir denn noch?
Glück auf!
Mathias Bär, 4. April 2026